Ernst Rinderspacher, Kunst- und Glasmaler

In vier von fünf Kirchen der Evang.-ref. Kirchgemeinde Sils/Silvaplana/Champfèr finden sich Glasbilder des Künstlers Ernst Rinderspacher. Sie beinhalten religiöse Motive und sind in kräftigen Farben ausgeführt. Mancher Betrachter der Glasgemälde wird sich fragen, wer war Ernst Rinderspacher?

Dr. Stefan Trümpler, Leiter des Forschungszentrums und Konservator des Vitromusée Romont, schreibt der Kirchgemeinde:
„Leider wissen wir nicht viel über Ernst Rinderspacher. Er teilt das Schicksal so vieler Künstler, die mit Glas gearbeitet haben. Wenn nicht zufällig Nachlässe oder andere Informationsquellen erhalten geblieben sind, geraten sie in Vergessenheit. Die völlig überholte und unsinnige, im Wesentlichen erst im 19. Jahrhundert erfundene Aufteilung des gestalterischen Schaffens in „konzeptionell/-künstlerische“ und „kunsthandwerkliche“ Arbeit –wobei die Bildgestaltung mit Glas letzterer zugewiesen ist – wirkt leider bis heute nach. Gerade Ernst Rinderspacher gehört zu den Glasmalern, deren Werk es verdienen würde, einmal aufgearbeitet zu werden“.
Nun, was wir über den Künstler Ernst Rinderspacher ausfindig machen konnten, wird untenstehend in abgekürzter Formulierung widergegeben.

Ernst Rinderspacher ist am 3. August 1879 in Klein-Basel als Sohn eines Gärtnermeisters geboren worden. Nach einer Lehre als Glasmaler führt sein Weg zu Studienzwecken nach Freiburg i. B., Strassburg, Budapest, Zürich, Wien und München. Nach kurzem Aufenthalt in Florenz kehrt Rinderspacher 1914 in die Schweiz zurück und nimmt Wohnsitz in Sils Fex. Zweiunddreissig Jahre arbeitet der Künstler an seinem neuen, zur Heimat gewordenen Wohnort. Hier entsteht ein reiches Werk an Gemälden, Aquarellen und Glasbilder. Das Fextal ist sein Tal geworden. Seine Lärchen, seine Berge und Pflanzen, der blaue Silsersee in der Tiefe, sie alle sind die Welt, in die der Betrachter durch Rinderspacher Glasbilder blickt. Aus gesundheitlichen Gründen verlässt Ernst Rinderspacher 1946 das Fextal und zieht nach Zürich, wo er am 17. Dezember 1949 stirbt.

Vom 2. – 31. August 1949, 2½ Monate vor seinem Tod, findet zum 70. Geburtstag des Künstlers in der Villa Tester in Sils-Maria eine Jubiläumsaustellung statt. Gemäss Verzeichnis sind 115 Glasgemälde, und 53 Zeichnungen, Aquarelle und Ölgemälde ausgestellt. Die Kirchgemeinden, in deren Besitz die Kirchen im Fextal, in Sils-Maria (ref. und kath. Kirche), Sils-Baselgia, Silvaplana, Champfèr und Suvretta/St.Moritz, sind, dürfen sich glücklich schätzen, Glasgemälde von Ernst Rinderspacher zu besitzen.

Literaturnachweis: Carl Brun, Schweiz. Künstler-Lexikon, Band IV, 1982.
Artur Welti, Artikel in der NZZ vom 22.12.1949.
Artur Welti, Bericht zum 70. Geburtstag von Ernst Rinderspacher.
Fotos der Glasbilder: Evang.-ref. Kirchgemeinde Sils/Silvaplana/Champfèr.